Ausgangslage
Der E-Shop ist für Martel ein zentraler Vertriebskanal. Neben dem Umsatzbeitrag ist vor allem die Ertragsstärke relevant: Im Vergleich zum stationären Handel ermöglicht der Online-Kanal eine sehr effiziente Kostenstruktur und damit einen überproportionalen Beitrag zur Marge.
„Kontinuierliches Umsatzwachstum mit dem E-Shop – bei bester Rendite der Verkäufe über diesen Kanal. Unser bestes Pferd im Stall.“
— Martel AG, St. Gallen
Damit Kundinnen und Kunden im umfangreichen Sortiment schnell den passenden Wein finden, braucht es mehr als klassische Filterlisten. Gerade bei beratungsintensiven Produkten scheitert die Produktsuche oft nicht an der Verfügbarkeit, sondern an der Entscheidung.
Herausforderung
Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer Weinhandlung mit über 1’000 verschiedenen Flaschen. Sie wissen, Sie mögen kräftige, vollmundige Rotweine – aber welche der hundert Sorten passt genau zu Ihrem Geschmack?
Genau dieses Problem haben viele Kunden im Online-Shop: Sie kennen ihre Vorlieben, aber nicht die passenden Fachbegriffe. Was bedeutet „strukturiert“? Ist „Tannin“ das, was ich mag? Klassische Filter verlangen von Kunden, dass sie bereits Weinexperten sind.
Die konkreten Herausforderungen:
- Klassische Filter (Preis, Farbe, Region) helfen bei der Eingrenzung, nicht aber bei der eigentlichen Entscheidung
- Viele Nutzer können beschreiben, was sie mögen („leicht und fruchtig“ oder „kräftig und schwer“), kennen aber die entsprechenden Rebsorten nicht
- Das Sortiment sollte sich anfühlen wie ein Gespräch mit einem Weinberater – ohne dass dieser physisch anwesend sein muss
Zielbild
Ein intelligenter Filter, der wie ein guter Sommelier arbeitet: Er stellt die richtigen Fragen, versteht Ihre Präferenzen und präsentiert Ihnen nicht einfach eine willkürliche Liste, sondern eine nach Ähnlichkeit sortierte Auswahl – vom perfekten Match bis zu interessanten Alternativen.
Lösung: Smart Filter – der digitale Weinberater
Das Grundprinzip: Weine sind wie Punkte auf einer Landkarte
Denken Sie an eine Stadtkarte: Wenn Sie in Zürich wohnen, dann sind St. Gallen und Winterthur in der Nähe, während Barcelona weit entfernt ist. Genau so funktioniert der Smart Filter – nur dass die „Karte“ den Geschmack von Weinen abbildet.
Die Stilmatrix als Koordinatensystem
Wir haben zunächst eine zweidimensionale „Geschmackslandkarte“ für Weine entwickelt. Jeder Wein bekommt einen festen Platz auf dieser Karte, basierend auf zwei Eigenschaften:
- X-Achse (Körper & Power): Von 1 (leicht wie ein Sommerwind) bis 10 (kraftvoll wie ein Wintermantel)
Beispiel: Ein zarter Pinot Grigio liegt bei 2, ein wuchtiger Barolo bei 9 - Y-Achse (Struktur & Ausbau): Von 1 (frisch-säuerlich wie eine Zitrone) bis 10 (süss-ausgebaut wie reife Feigen)
Beispiel: Ein knackiger Sauvignon Blanc liegt bei 2, ein opulenter Chardonnay bei 8
Ein Merlot landet zum Beispiel bei den Koordinaten (7, 7) – relativ kräftig und ausgebaut.
Ein Pinot Noir bei (5, 6) – mittelschwer mit moderater Struktur.
Wie die Ähnlichkeitsberechnung funktioniert
Wenn eine Kundin sagt „Ich mag Merlot“, dann sucht das System alle Weine, die in der Nähe der Merlot-Position liegen. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Google Maps: Wenn Sie nach „Cafés in meiner Nähe“ suchen, zeigt Ihnen die App zuerst das Café 50 Meter entfernt, dann das 200 Meter entfernte – und erst ganz am Schluss das 5 Kilometer entfernte.
Die mathematische Umsetzung
Wir verwenden die sogenannte euklidische Distanz – im Grunde die Linie zwischen zwei Punkten. Die Formel lautet:
Distanz = √((x₁ − x₂)² + (y₁ − y₂)²)
Ein konkretes Beispiel:
- Kundin wählt: Merlot (Position 7, 7)
- Wein A im Sortiment: Cabernet Sauvignon (Position 8, 8)
- Distanz = √((7−8)² + (7−8)²) = √2 ≈ 1.4
- Wein B im Sortiment: Riesling (Position 3, 2)
- Distanz = √((7−3)² + (7−2)²) = √41 ≈ 6.4
Der Cabernet Sauvignon ist dem gewählten Merlot sehr ähnlich (kleine Distanz), während der Riesling geschmacklich weit entfernt liegt (grosse Distanz). Die Ergebnisliste wird nach dieser Distanz sortiert – von „sehr ähnlich“ bis „interessante Alternative“.
Integration mit bestehenden Filtern
Der Smart Filter ersetzt nicht die klassischen Filter, sondern ergänzt sie intelligent. Stellen Sie sich vor, Sie haben bei der Suche bereits eingeschränkt:
- Preis: 15–30 CHF
- Verfügbarkeit: nur lieferbar
- Jahrgang: 2019–2023
Innerhalb dieser eingegrenzten Ergebnisse sortiert der Smart Filter nun nach Geschmacks-Ähnlichkeit. So erhalten Sie nicht einfach eine alphabetische Liste von vielen Weinen, sondern eine kuratierte Auswahl, die bei Ihrem Lieblingsgeschmack beginnt.
Systemarchitektur
Das System funktioniert wie ein gut eingespieltes Orchester, bei dem jedes Instrument seine Rolle hat:
| Komponente | Rolle im Gesamtsystem |
|---|---|
| Shopware 6.4 CE | Das Schaufenster: Kunden erleben den Smart Filter, geben Präferenzen ein und erhalten Vorschläge |
| Akeneo PIM | Die Bibliothek: Strukturierte Produktinformationen inkl. Geschmackskoordinaten |
| Abacus ERP | Das Nervensystem: Verbindet Prozesse und stellt Daten über eine massgeschneiderte Schnittstelle bereit |
| Smart-Filter-Logik | Das Gehirn: Berechnet Ähnlichkeiten und erstellt das Ranking |
Implementierung
Die technische Umsetzung baut auf bewährten Prinzipien auf. Ein vergleichbarer Smart Filter ist bereits bei BB Trading erfolgreich im Einsatz und dient als erprobte Grundlage (Referenz: bbtrading.ch/shop).
Die wichtigsten Umsetzungsschritte:
- User Experience: Verständliche Fragen statt Fachbegriffe („leicht und spritzig“ vs. „kräftig und voluminös“)
- Datenmodell: Jede Rebsorte erhält eine stabile Position in der Stilmatrix, basierend auf önologischem Fachwissen
- Integration: Nahtlose Einbindung ins bestehende Shopware-Frontend, jederzeitiger Wechsel zwischen klassischer Suche und Smart Filter
- Qualitätssicherung: Regelmässige Plausibilitätschecks verhindern falsche Zuordnungen
Ergebnis und Nutzen
Der Smart Filter verwandelt die Produktsuche von einer Herausforderung in ein Erlebnis.
Für die Kunden:
- Schnellere Orientierung im grossen Sortiment
- Echtes Beratungsgefühl wie im stationären Handel
- Weniger Frustration, höhere Conversion
Für Martel:
- Skalierbare digitale Beratung ohne zusätzlichen Personalaufwand
- Bessere Ausschöpfung des margenstarken E-Shop-Potenzials
- Erweiterbare technologische Grundlage (weitere Dimensionen, Personalisierung, Kaufhistorie)
Ausblick:
Die aktuelle 2D-Matrix ist erst der Anfang. Künftig lassen sich weitere Geschmacksdimensionen, Saison-Empfehlungen oder individuelle Kundenprofile integrieren – mit dem Ziel, die digitale Weinberatung noch persönlicher zu machen.
Über Next Economy Solutions AG (Next AG)
Next AG unterstützt Unternehmen bei E-Commerce- und Integrationsprojekten – von Konzept und UX über Entwicklung bis zur Systemintegration. Fokus: technologisch saubere, skalierbare Lösungen auf Shopware sowie PIM- und ERP-Anbindung.